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Maggie’s Center – Glasgow

Maggie's Centre Glasgow by OMA

Rem Koolhaas gilt mitunter als wichtigster Architekt des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Nicht nur mittels spektakulärer Gebäude, sondern auch mit seinen theoretische Texten hat der frührer holländische Journalist die Architektenszene einer Generation mitgeprägt. In Glasgow hat er bewiesen, dass er neben seinen grossmassstäblichen Architekturikonen wie dem CCTV Gebäude in Peking oder der Seattle public library auch mit leiseren Tönen bauen kann. 2001 baute er das Maggie’s Center am Gartnavel Spital in Glasgow. Die Maggie’s Foundation ist eine Hilfsorganisation für krebserkrankte Menschen und unterstützt diese in eigenen und unabhängigen Zentren, in räumlicher Nähe zu den behandelnden Kliniken.

Wie so oft findet man die interessantesten Gebäude einer Stadt nicht im Zentrum und auch nicht an den Touristenströmen. Das Maggie’s liegt nordwestlich des Stadtzentrums und ist mit einem Vorortszug ab dem Hauptbahnhof erreichbar. Die Umgebung ist unwirtlich, wie es für ein Spital gewöhnlich ist; Bettenhochhäuser und ein Elektrizitätwerk sind die prägenden Elemente. Als ersten und wichtigsten Schritt pflanzt Koolhaas in dieser Situation erst einmal ein kleines Föhrenwäldchen, auf welches sich auch das Raumkonzept seines Gebäudes bezieht.

Das Haus besteht eigentlich nur aus einem kreisrunden Korridor. Einem grossen Begegnungsraum, in dem sich Patienten und Betreuer gleichsam und in einer grossen Gemeinschaft aufhalten und treffen können. Wie bei allen Gebäuden von Koolhaas entsteht das Raumkonzept aus einer funktionalen oder thematischen Interpretation der Funktion oder der örtlichen Situation. So wird beim Maggie’s Center dann auch die bekannte Struktur eines Spitalgebäudes von Warte- und Behandlungsraum – Ärtztezimmer und Krankenzimmer – aufgelöst und zu einem gemeinsamen Raumkontinuum zusammengeführt. Dieser Loop hat dann auch immer einen wichtigen räumlichen Bezug zum Aussen in die Natur. Sei diese zum besagten Wäldchen, mittels einer Fernsicht nach Südwesten oder in den intimen bepflanzten Innenhof. Der Patient soll hier nicht Patient sein. Er soll sich geborgen fühlen und neben der sterilen Krankenhausatmosphäre gleichzeitig einen starken Bezug zur Natur verspüren.

Glasgow_OMA_MaggieCenter

Das Zentrum ist eigentlich kein öffentliches Gebäude und kann offiziell nicht besucht werden. Trotzdem wurden wir ohne Voranmeldung vom Personal warm empfangen. – Vielleicht war es auch unser Glück, dass die grosse Glasschiebetüre am Eingang defekt war und weit offen stand. – Eine Mitarbeiterin hat uns eine private Tour durchs Gebäude gegeben und natürlich haben wir auch so einiges zur Institution erfahren. Ein Haus hat immer auch eine Funktion und in diesem Fall eine sehr spezielle. Hier werden rein administrative Fragen für Krebspatienten geklärt: Behandlung, Finanzierung, Versicherung. Aber gleichzeitig auch der soziale Kontakt gefördert. Mit einem breiten Alternativprogramm vom Zeichenkurs bis zu Yoga kann der Alltag der Patienten neu gegliedert werden.

Das Maggie’s Center am Gartnavel Hospital ist aber nicht das einzige Architekturjuwel, das in Glasgow in den letzten Jahren entstanden ist. Sowohl das Glasgow Riverside Museum von Zaha Hadid, wie auch die Erweiterung der Glasgow School of Art durch Steven Holl erweitern die jüngste Architekturgeschichte Glasgows.

Links


♦ Maggie’s Center Glasgow

Maggie’s Centers auf Wikipedia

Weitere Bilder des Maggie’s Center Glasgow beim Dezeen Magazine

 

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